Hauptversammlung 2010 |
Die Rede von Wolfgang Moyses, Vorstandsvorsitzender,
anlässlich der Hauptversammlung am 25 . Juni 2010.
(Es gilt das gesprochene Wort)
Sehr geehrte Aktionärinnen und Aktionäre,
sehr geehrte Damen und Herren,
sehr geehrte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter,
bevor ich mit meinen Ausführungen beginne, bitte ich Sie mit mir einen Moment innezuhalten
und unserer treuen Anteilseignerin Anita Bürkle zu gedenken. Frau Bürkle, die Witwe unseres
langjährigen Vorstands- und Aufsichtsratsvorsitzenden, Dr. Wolfgang Bürkle, und große Wohltäterin
dieser Stadt, ist am 13. Mai 2010 nach längerer Krankheit verstorben.
Meine Damen und Herren,
ich begrüße Sie herzlich im Namen des Vorstandes der SIMONA AG zu unserer diesjährigen
Hauptversammlung. Im vergangenen Jahr hatte ich Ihnen die SIMONA City vorgestellt. Die SIMONA City
ist auch 2009 weiter gewachsen. SIMONA hatte das schwierigste Jahr der jüngeren
Unternehmensgeschichte zu meistern. Dennoch steht ein neues Haus in der SIMONA City. Unser neues
Werk in Süd-China hat 2009 die Produktion aufgenommen und wurde 2010 offiziell eingeweiht.
Im Geschäftsjahr 2009 musste SIMONA drastische Umsatzrückgänge verkraften und die Produktion
deutlich zurückfahren. Dennoch haben wir die SIMONA sicher durch die schwierige Zeit gesteuert.
Dazu war es auf der einen Seite notwendig, Kosten zu reduzieren und Investitionen sowie Standorte
auf den Prüfstand zu stellen. Auf der anderen Seite haben wir die Zeit genutzt, um eine Reihe neuer
und erfolgreicher Produkte auf den Markt zu bringen, die die SIMONA City interessanter machen und
zum Erfolg in der Zukunft beitragen.
Meine Damen und Herren,
auch wenn die SIMONA City gewachsen ist, die Krise ist alles andere als spurlos an uns
vorübergegangen. Wir haben uns auf das Wesentliche konzentriert: die Liquidität zu sichern, die
Kernmannschaft zu halten und – soweit dies möglich war – Geld zu verdienen. Dass uns das gelungen
ist, macht uns ein wenig stolz und gibt uns auch Kraft für unsere ambitionierten Wachstumsziele der
nächsten Jahre.
Doch zunächst zu 2009.
„SIMONA 2009 – Sicher durch die Krise“
Das ist die Kernaussage zum Verlauf des vergangenen Geschäftsjahres und dies ist die gute
Nachricht zu diesem turbulenten Jahr. Es ist uns gelungen, unsere solide finanzielle Position
mit einem positiven Ergebnis zu festigen.
Die schlechte Nachricht ist, dass wir fast 30 Prozent unseres Umsatzes eingebüßt haben.
Das hatte zuvor noch niemand bei SIMONA oder in der Kunststoffbranche erlebt und wir hatten
alle Hände voll zu tun unser Unternehmen und unsere Mitarbeiter darauf einzustellen. Die Aufträge
waren seit Ende 2008 über alle Produktgruppen und alle Verkaufsregionen stark rückläufig.
Substitution war nicht möglich. Das hat diese Krise im negativen Sinne so einzigartig gemacht. Zwei
Faktoren waren für den starken Nachfragerückgang in unseren Geschäftssegmenten entscheidend:
Der starke Rückgang der Exporte und die äußerst schwache Investitionsneigung der Kunden.
Allein die Bestellungen in der Branche Maschinen- und Anlagenbau gingen 2009 um 38 Prozent zurück.
Insgesamt haben wir im Geschäftsjahr 2009 Umsatzerlöse von 215,1 Mio. EUR im Konzern erzielt, was
einem Rückgang von 29,2 Prozent gegenüber dem Umsatz von 2008 entspricht.
In Deutschland sanken die Umsatzerlöse um 31,7 Prozent auf 76,5 Mio. EUR. In Europa (ohne
Deutschland) betrug der Rückgang 27,1 Prozent auf 115,4 Mio. EUR, hier konnten die drastischen
Einbrüche in Osteuropa durch unsere stabile Position in Westeuropa zumindest teilweise kompensiert
werden. In der Region Amerika, Asien und Australien sind die Umsätze um 29,6 Prozent auf 24,3 Mio.
EUR zurückgegangen.
Die Entwicklung in den einzelnen Produktgruppen zeigte sich ebenfalls differenziert.
Ein breites Produktprogramm kann Rückgänge in einem Segment oft kompensieren. Dies war in
2009 nicht der Fall. Bei den Halbzeugen sind die Umsatzerlöse um 31,5 Prozent auf 149,5 Mio. EUR
zurückgegangen.
Im Geschäftsfeld Rohrleitungsbau sind, dank des relativ stabilen Geschäfts mit Formteilen,
die Umsatzerlöse geringer als der Gesamtumsatz zurückgegangen. SIMONA konnte die Position im
internationalen Markt für Rohrleitungssysteme zur Wasserversorgung ausbauen. Insgesamt betrugen die
Umsatzerlöse im Rohrleitungsbau 65,5 Mio. EUR, das sind 23,2 Prozent weniger als im Vorjahr.
Ergebnisentwicklung
Sehr geehrte Aktionäre,
wie war unsere Ergebnisentwicklung bei diesem signifikanten Umsatzeinbruch?
Vor dem Hintergrund der sich bereits Ende 2008 abzeichnenden Entwicklung war unser Ziel, in
2009 ein positives EBITDA zu erreichen. Das haben wir dank des hohen Einsatzes aller Menschen, die
bei SIMONA arbeiten, geschafft.
Frühzeitig haben wir unsere Kosten reduziert und die Effizienz weiter verbessert. Ab März
haben wir Kurzarbeit angemeldet und je nach Auftragslage in allen deutschen Standorten in
unterschiedlichem Umfang eingeführt. An den Auslandsstandorten haben wir an die gesetzliche
Situation orientierte, ähnliche Maßnahmen umgesetzt. Vorstand und Management haben auf Teile Ihrer
fixen und variablen Vergütung verzichtet. Und die Entwicklung der Rohstoffpreise hat uns, zumindest
im ersten Halbjahr, auch noch sehr geholfen.
All das hat es uns ermöglicht, ein positives Ergebnis vor Steuern von 7,1 Mio. EUR im Konzern
und ein EBITDA von 21,9 Mio. EUR zu erreichen. Das EBITDA liegt mit 10,2 Prozent vom Umsatz
prozentual fast auf Vorjahres-Niveau.
Der Cashflow aus operativer Tätigkeit betrug 28,2 Mio. EUR.
Unsere finanzielle Solidität haben wir damit weiter gefestigt. Die Eigenkapitalquote beträgt
unverändert 64 Prozent. All dies erlaubt uns eine weitgehende Unabhängigkeit vom Kapitalmarkt. Die
starke Kapitalbasis zeigt sich auch in Barmitteln von über 60 Mio. EUR.
Investitionen
Sehr geehrte Aktionäre,
in einem solch schwierigen Jahr steht jede einzelne Investition auf dem Prüfstand. Wir haben
sorgfältig abgewogen, welche Investition in 2009 wirtschaftlich Sinn macht und unsere
Wachstumsziele in Zukunft unterstützt.
Die Investitionen 2008 waren vor allem durch den Bau neuer Werke in Tschechien und China sehr
hoch und betrugen 21,2 Mio. EUR. Mit 11,6 Mio. EUR im Geschäftsjahr 2009 bewegen wir uns nur leicht
unter dem Niveau von 2007 und unserer normalen Abschreibungsquote ohne Sonderabschreibungen.
Lassen Sie mich kurz auf die Investition in China und unser neues Werk dort in Jiangmen
eingehen. Wir hatten den Produktionsbeginn auf das vierte Quartal 2009 verschoben. Das hatte ich
Ihnen bereits auf der letzten Hauptversammlung angekündigt und der starke Einbruch des Marktes
Asia/Pacific hat uns in dieser Entscheidung bestärkt. Im April 2010 wurde das neue Werk offiziell
eingeweiht. Wir sind mit dieser bedeutenden Investition unseren Kunden gefolgt und haben nun mit
einer eigenen Produktion die Voraussetzungen geschaffen, um auf einem der am schnellsten wachsenden
Märkte für Kunststoffanwendungen eine starke Rolle zu spielen.
Investieren in neue Märkte erfordert Kapital. Kapital, das sich verzinsen muss.
Sie, sehr geehrte Aktionäre, beurteilen die Verzinsung in Form von Dividenden und
Aktienkursen.
Dividende und Aktie
Sehr geehrte Damen und Herren,
es war und ist Politik von SIMONA, Management, Mitarbeiter und Aktionäre angemessen am
Unternehmenserfolg zu beteiligen. In diesem Jahr ist es uns nicht leicht gefallen, einen Vorschlag
zur Höhe der Dividende festzulegen. Unser Ergebnis vor Steuern ist positiv, aber es ist um mehr als
13 Mio. EUR zurückgegangen. Dennoch haben wir uns entschlossen, Ihnen sehr geehrte Aktionäre, eine
Dividende von 6,00 EUR pro Aktie vorzuschlagen. Das entspräche einer Ausschüttung von 3,6 Mio. EUR
und damit fast 72 Prozent unseres Jahresüberschusses.
Ich glaube, Sie stimmen mit mir überein, dass dies eine respektable Ausschüttung in einem
solch schwierigen wirtschaftlichen Umfeld ist.
Wie hat sich die SIMONA Aktie 2009 in einem Börsenjahr voller Extreme entwickelt? Mit einem
Wort: stabil.
Zum Jahresschluss notierte die Aktie mit 317 EUR in der Nähe ihres Jahresanfangskurses von
323 EUR. Der Höchstkurs wurde Anfang Januar mit 325 EUR erreicht. Aktuell notiert die SIMONA Aktie
bei ca. 345 EUR. Wir, das heißt, unsere Mitarbeiter und das Management sind zufrieden Ihnen
auch in schwierigen Zeiten Konstanz zu bieten.
Mitarbeiter
Sehr geehrte Aktionäre,
dies alles war nur möglich mit unseren loyalen und motivierten Mitarbeitern. SIMONA gilt
jeher als ein verlässlicher, solider und sozial verantwortlicher Arbeitgeber. Dieses Verständnis
haben Herr Dr. Bürkle und seine jüngst verstorbene Witwe mitbegründet. Wir wissen sehr genau, dass
unsere Wachstumsziele nur mit kompetenten, erfahrenen und engagierten Mitarbeitern zu erreichen
sind.
Dennoch mussten wir in 2009 einige schmerzhafte Maßnahmen ergreifen, um unsere Kosten
anzupassen und insgesamt effektiver zu arbeiten. Dies betraf vor allem den Standort Würdinghausen.
Die Schließung dieses Standortes und die Verlagerung des Geschäfts nach Kirn und Ringsheim war
betriebswirtschaftlich notwendig – für die Betroffenen schmerzvoll. Die Gründe dafür waren
vornehmlich strukturell und nicht konjunkturell. In Zukunft werden wir die Fertigteile in Ringsheim
und die Pressplatten in Kirn produzieren, was an diesen Standorten Arbeitsplätze schafft bzw.
sichert.
Insgesamt waren Ende 2009 im SIMONA Konzern 1.234 Mitarbeitern beschäftigt – nur 17 weniger
als Ende 2008 und dies bei einem Geschäftsrückgang von nahezu 30 Prozent. Wir haben die
Instrumentarien Abbau Leiharbeiter und Kurzarbeit genutzt, um unsere Stamm-Mannschaft zu halten.
Das Jahr 2009 war für die Mitarbeiter und die Führungsmannschaft mit sehr viel Anstrengungen
und finanziellen Entbehrungen verbunden. Ich danke im Namen des gesamten Vorstandes allen
Mitarbeitern für das in 2009 Geleistete und ihren hohen Einsatz. Dem Betriebsrat danke ich für
konstruktive Zusammenarbeit.
Was wollen wir 2010 erreichen?
Sehr geehrte Damen und Herren,
Wir wollen ein Wachstum im zweistelligen Bereich realisieren und die Umsatzmarke von 250 Mio.
EUR knacken. Wir sind auf einem guten Weg, dieses Ziel zu erreichen auch wenn das Jahr für uns
alles andere als vielversprechend begonnen hat.
Der März hat dann eine sehr erfreuliche Entwicklung gezeigt. Mit einem Absatzplus von 40
Prozent gegenüber dem Vorjahr hat er zwar unsere Produktion und Logistik vor einige
Herausforderungen gestellt, die wir jedoch gerne angenommen haben.
Die bis Mai vorliegenden Zahlen geben uns Vertrauen, dass das Halbjahresergebnis positiv sein
wird. Wir erwarten jedoch durchaus noch den ein oder anderen Rückschlag durch globale
Unsicherheiten. Die konjunkturelle Erholung steht nicht auf festen Beinen und wir müssen sehen, was
zum Ende des Jahres noch passieren wird. Unser wichtiges Ziel, ein positives Ergebnis vor Steuern
zu erwirtschaften, können wir erreichen. Risiken sehen wir vor allem in den extrem hohen
Rohstoffpreisen und der angespannten Verfügbarkeit. Die Rohstoffpreise und die kontinuierliche
Versorgung stellen neben den weltwirtschaftlichen Unsicherheiten mit Abstand die größten Risiken
für den Erfolg des Geschäftsjahres 2010 dar.
Wir blicken aber mittelfristig positiv in die Zukunft. Wir haben unsere Hausaufgaben in der
internen Prozessoptimierung gemacht. Wir haben selbst in einem Krisenjahr wie 2009 eine Reihe von
Produktinnovationen auf den Markt gebracht.
Von erfolgreichen Beispielen berichtet auch unser City-Magazin als Teil des
Geschäftsberichts.
So zum Beispiel Rohrleitungssysteme für ein Tiefengeothermieprojekt der RWTH Aachen, das zur
Energieversorgung einer Kleinsiedlung genutzt wird.
So zum Beispiel Mehrschichtplatten für Kraftstofftanks. Wichtig ist, dass wir mit unserem
Partner Magna auch einen Auftrag für unser neues Werk in China gewonnen haben. Wir werden aus
unserem Werk in Jiangmen Tankplatten für den Audi A6 liefern.
Unser Umsatzziel „SIMONA500“ haben wir nie aus den Augen verloren, nur wird es etwas länger
dauern als ursprünglich geplant. Bis 2014 wollen wir im Konzern einen Umsatz von 500 Mio. EUR
erzielen. Das wollen wir durch organisches Wachstum und neue Produkte sowie durch Akquisitionen
realisieren. Die „Lücke“, die durch den starken Umsatzrückgang entstanden ist, lässt sich aus
eigener Kraft nicht schließen.
Sehr geehrte Aktionäre,
Ihr Investment in SIMONA war und ist ein gutes Investment. Wir haben die Verfahrenstechnik,
die Menschen und den Zugang zu den Märkten, um vom Wachstumspotenzial der Kunststoffe weltweit zu
profitieren. Wir haben eine starke Marke, die international bekannt und anerkannt ist. Wir haben
eine sanfte aber konsequente Internationalisierungsstrategie. Die SIMONA City wird weiter wachsen.
Sie, verehrte Aktionäre, sind Einwohner der SIMONA City. Unser Ziel ist es, dass Sie sich
weiter wohlfühlen in dieser Stadt.
SIMONA AG
Investor Relations
Teichweg 16
D - 55606 Kirn
Tel.: +49 (0) 67 52 14-383
Fax: +49 (0) 67 52 14-738