Rede von Wolfgang Moyses, Vorsitzender des Vorstandes der SIMONA AG, Kirn,
anlässlich der Hauptversammlung am 01.07.2011 in Kirn


- Es gilt das gesprochene Wort –

Sehr geehrte Aktionäre, sehr verehrte Gäste, liebe Mitarbeiter,


ich begrüße Sie im Namen des Vorstandes herzlich zur diesjährigen Hauptversammlung der SIMONA AG.

Sehr geehrte Damen und Herren,
das Geschäftsjahr 2010 lässt uns mit einem weinenden und einem lachenden Auge zurück. Die positive Botschaft des Geschäftsjahres 2010 und damit das lachende Auge ist unsere Absatz- und Umsatzsteigerung. Das war nach den drastischen Einbrüchen 2009 so in der Form nicht zu erwarten. Zu Beginn des Geschäftsjahres sahen wir einen Silberstreif am Horizont - allen voran in Asien -, aber leider noch nicht in unseren Auftragsbüchern. Erst im März stieg die Nachfrage nach unseren Produkten spürbar, dann aber sprunghaft und nachhaltig an.
Auslöser dafür war die erhöhte Investitionsneigung der Industrie, die vor allem durch den spürbaren Aufschwung in Asien ausgelöst wurde. Davon haben die Branchen Automobil, Maschinenbau und Chemie überproportional profitiert – und in der Folge auch wir.

Sehr geehrte Aktionäre,
im Geschäftsjahr 2010 konnten wir den Umsatz um 24 Prozent auf 267,4 Mio. EUR steigern.
Wichtig für diesen Erfolg war, dass wir in dem sehr schwierigen Jahr 2009 die Stammmannschaft halten konnten. So waren wir in der Lage, auf die schnell gestiegene Nachfrage in 2010 ebenso schnell zu reagieren. An dieser Stelle möchte ich bewusst unserer Regierung ein Kompliment machen: Das Instrument Kurzarbeit hat uns sehr geholfen.
Einen wesentlichen Anteil an der Umsatzsteigerung hatte unser internationales Geschäft, aber auch Deutschland.

Sehr geehrte Damen und Herren,
Deutschland ist einer unserer Kernmärkte für Anwendungen in der chemischen Prozessindustrie und im Maschinenbau. Deren deutlich gestiegenes Exportgeschäft hat die Investitionsneigung stark belebt. Es wurden fast 10 Prozent mehr in Ausrüstungen investiert. In der Folge haben sich unsere Umsatzerlöse in der Region Deutschland um 18,4 Prozent auf 90,6 Mio. EUR erhöht.
In Europa haben wir traditionell eine starke Position bei Produkten für den chemischen Behälter- und Apparatebau. Diese Position konnten wir 2010 festigen. In der Verkaufsregion „ Übriges Europa & Afrika“ konnten wir die Umsatzerlöse um 15 Prozent auf 132,7 Mio. EUR steigern.
Sehr zufrieden sind wir mit der Entwicklung in der Region Asien, Amerika und Australien. Wir haben die frühe und kräftige Erholung in den Märkten Asiens zu einer sehr deutlichen Umsatzsteigerung nutzen können. Unser neues Werk in China hat dazu einen wichtigen Beitrag geleistet.
Insgesamt haben wir unsere Umsatzerlöse in der Region Amerika, Asien und Australien um fast 83 Prozent auf 44,5 Mio. EUR steigern können. Unser anfangs sanfter, aber immer konsequenter Internationalisierungskurs trägt Früchte. Wir sind unserem Ziel, bis 2014 mindestens 25 Prozent unseres Umsatzes außerhalb Europas zu erwirtschaften, ein großes Stück näher gekommen. Der Umsatzanteil dieser Region ist 2010 bereits auf 16,6 Prozent gestiegen, in 2009 betrug er noch 11,2 Prozent.

Betrachtet man die einzelnen Hauptproduktgruppen, so sieht man auch hier eine differenzierte Entwicklung. Die Halbzeuge haben überdurchschnittlich zum Wachstum beigetragen. Insbesondere Platten für den chemischen Apparate- und Behälterbau waren stark gefragt. Die Umsatzerlöse mit Halbzeugen sind um 31,6 Prozent auf fast 197 Mio. EUR gestiegen. Auch der Produktbereich Rohre und Formteile konnte zulegen. Aufgrund des strengen Winters und einer noch schwächelnden Baukonjunktur liegen die Zuwächse aber unter dem Durchschnitt. Insgesamt sind die Umsatzerlöse mit Rohren und Formteilen um 7,8 Prozent auf 70,6 Mio. EUR gestiegen.

Sehr geehrte Aktionäre,
nun kommen wir zu dem weinenden Auge. Der Satz „Über Plan, aber unter den Erwartungen.“ drückt aus, dass wir mit dem Ergebnis nur bedingt zufrieden waren. Wir wussten, dass die Wirtschaftskrise 2009 auch noch Auswirkungen auf das Geschäftsjahr 2010 haben wird. Daher war unsere Planung konservativ. Ein positives Ergebnis vor Steuern war unser Ziel. Das haben wir erreicht. Sie können sich aber sicher vorstellen, dass wir bei dieser Absatz- und Umsatzsteigerung ein besseres Ergebnis erwartet hätten. Der Appetit kommt eben beim Essen.

Was waren die Gründe für die nicht zufriedenstellende Ergebnisentwicklung?
Hauptgrund waren die drastisch gestiegenen Beschaffungspreise für die von uns eingesetzten Rohstoffe. Um das zu verdeutlichen: 1 to Polypropylen – einer der von uns am stärksten nachgefragten Rohstoffe – kostete im April 2009 840 EUR. Im Juni 2010 waren es 1.400 EUR. Das sind ca. 67 Prozent mehr. Bei den Additiven für PVC haben sich die Preise im Laufe des Jahres 2010 sogar teilweise verdoppelt.
Bei dem hohen Materialkostenanteil unserer Produkte und intensivem Wettbewerb auf allen Märkten konnten wir diese extremen Preissteigerungen weder in vollem Umfang noch zeitgleich an den Markt weitergeben.
Insgesamt haben wir ein Konzernergebnis vor Ertragsteuern von 10,5 Mio. EUR erwirtschaftet. Das sind fast 48 Prozent oder gut 3 Mio. EUR mehr als 2009. Das EBITDA liegt mit 22,7 Mio. EUR leicht über Vorjahresniveau. Das ist ordentlich, aber eben nicht gut.

Welche Investitionen haben wir 2010 getätigt?
Bei der schwierigen Ertragslage haben wir unsere Investitionen sorgfältig abgewogen. Was macht wirtschaftlich Sinn und wann ist der richtige Zeitpunkt für die Investition? Insgesamt haben wir in 2010 mit 6,5 Mio. EUR deutlich weniger als in den Vorjahren investiert. In 2011 werden wir wieder deutlich mehr investieren.

Sehr geehrte Damen und Herren,
erfreulich und wichtig ist nach wie vor die solide Bilanzstruktur von SIMONA. Und dies nach einem schwierigen Jahr 2009 und einem „OK-Jahr“ 2010. Bei fast unveränderter Bilanzsumme von 245 Mio. EUR haben wir unser Eigenkapital weiter, nun auf über 162 Mio. EUR erhöht. Die Eigenkapitalquote beträgt mehr als 66 Prozent. Bei einem deutlich gesteigerten Geschäftsvolumen haben die flüssigen Mittel naturgemäß zugunsten der Forderungen und der Vorräte abgenommen. Unsere Vermögens- und Finanzlage ist weiter sehr gut.

Sehr geehrte Aktionäre,
die SIMONA Aktie war und ist ein solides Investment. Der Börsenwert von SIMONA – bezogen auf den Schlusskurs 2010 – ist zu über 85 Prozent durch unser Eigenkapital gedeckt. Die SIMONA Aktie schloss zum Ende des Jahres 2010 mit 315 EUR nahe an ihrem Jahreseröffnungskurs. Der Höchstkurs wurde Anfang Juli mit 385 EUR erreicht.
Unser Dividendenvorschlag für das Geschäftsjahr 2010 sind 6,50 EUR pro Aktie. Damit wahren wir unsere Prinzipien: Dividendenkontinuität und angemessene Beteiligung der Eigentümer am Gewinn.

Sehr geehrte Damen und Herren,
ein erfreuliches Absatz- und Umsatzwachstum, ein ordentliches Ergebnis und eine mehr als solide Vermögens- und Finanzlage sind nur mit qualifizierten und motivierten Mitarbeitern möglich. An dieser Stelle bedanke ich mich bei allen Mitarbeitern im Namen des Vorstandes für das Geleistete. Lassen Sie uns so weitermachen.
Eine erfreuliche Entwicklung in diesen schwierigen Zeiten war, dass wir als ein sicherer und attraktiver Arbeitgeber gesehen wurden und werden. In 2010 konnten wir nahezu alle offenen Stellen besetzen.
Unsere Personalpolitik ist langfristig ausgerichtet. Unsere Ausbildungsquote ist hoch. Auszubildende von SIMONA gehören in jedem Jahr zu den Prüfungsbesten ihres Jahrgangs. Unsere Förderkonzepte sind vielfältig, international ausgerichtet und bringen immer wieder erfolgreiche Talente hervor. Der Zuspruch von jungen - sowie erfahrenen - qualifizierten Mitarbeitern zeigt dies.
Unter dem Motto „Ihr Talent. Unsere Zukunft.“ fördern wir den Fach- und Führungsnachwuchs. Und wir investieren zusätzlich in Kooperationen mit Hochschulen. Je früher wir ein Talent an unser Unternehmen binden, desto höher ist die Chance, dass es die Attraktivität des Arbeitgebers SIMONA schätzen lernt: flache Hierarchien, schnelle Übernahme von Verantwortung und internationale Herausforderungen.
In 2010 haben wir vor allem an den internationalen Standorten kräftig Mitarbeiter aufgebaut. Ende 2010 waren im SIMONA Konzern 1.236 Mitarbeiter beschäftigt.

Ich möchte an dieser Stelle auch ausdrücklich unserem Betriebsrat für die konstruktive Zusammenarbeit danken. Er trägt wesentlich dazu bei, dass wir attraktive Arbeitsbedingungen bieten und auch ständig weiterentwickeln.

Sehr geehrte Damen und Herren,
ständig weiterentwickeln wollen wir ebenfalls das Gesamtunternehmen SIMONA, auch in Bezug auf Umsatz und Gewinn. An dieser Stelle kann ich sagen, dass wir sehr zufrieden mit der Geschäftsentwicklung in diesem Jahr sind. Unsere Planziele haben wir bisher in jedem Monat übertroffen. Im ersten Quartal 2011 haben wir im Konzern einen Umsatz von ca. 77 Mio. EUR erzielt, fast 30 Prozent mehr als im ersten Quartal 2010. Im Mai haben wir den höchsten Monatsumsatz der Unternehmensgeschichte erwirtschaftet. Begünstigt wird die Umsatzentwicklung durch Preissteigerungen. Aber auch die Steigerung unseres Absatzes liegt im zweistelligen Bereich.
Wichtig ist uns, profitabel zu wachsen. Das ist uns im ersten Quartal gut gelungen. Mit einem Ergebnis vor Ertragsteuern von 5,4 Mio. EUR und einer EBIT-Marge von 7 Prozent liegen wir deutlich über dem Vorjahr.
Wir gehen zurzeit davon aus, dass das Halbjahresergebnis ebenfalls deutlich über dem Vorjahreswert liegen wird.
Die Risiken, die von den Rohstoffpreisen ausgehen, sind allerdings nach wie vor hoch. Der Anstieg und dann wieder Fall des Ölpreises innerhalb der letzten Wochen, sei als nur ein Beispiel genannt. Insgesamt haben die Risiken in den letzten Wochen nochmals zugenommen:
  • Verschuldung der europäischen Staaten
  • Arbeitslosigkeit und Staatsfinanzen in den USA
  • Inflation und langsameres Wirtschaftswachstum in China
um die wichtigsten zu nennen. Angesichts der vielen möglichen Szenarien werden Prognosen immer schwieriger. Aber eines steht fest: Der Bedarf an intelligenten Lösungen aus Kunststoff wird weltweit steigen. Das belegen alle seriösen Studien.

Meine sehr verehrten Damen und Herren,
die aktuelle Debatte über die Zukunft der Energieversorgung zeigt exemplarisch: Umwelt und Sicherheit sind zwei wesentliche Anforderungen zur Lösung der Herausforderungen der kommenden Jahrzehnte. Wir haben unsere Strategie schon 2008/09 darauf fokussiert:
SIMONA will sich zu einem führenden globalen Anbieter für sicherheitskritische und umweltrelevante Kunststoff-Anwendungen entwickeln. Als Wachstumsmärkte der Zukunft sehen wir dabei vor allem die Energie-, Wasser- und Rohstoffversorgung, die Umwelttechnik sowie Mobilität.
Wir wollen der erste Ansprechpartner für unsere Kunden in diesen Märkten weltweit sein. Dazu gehören Rohrleitungssysteme für Meerwasserentsalzungsanlagen genauso wie Kunststoffplatten für die Photovoltaik- und Solarindustrie. Mehrschichtplatten zur Herstellung von leichten Kraftfahrzeugtanks genauso wie Platten auf denen man energieeffizient Schlittschuhlaufen kann. Oder Rohrleitungssysteme für erneuerbare Energien und den Transport von CO 2.

Unsere Kunststofflösungen setzen Standards. Die Marke SIMONA steht weltweit für Qualität, Verlässlichkeit und technische Kompetenz.

Für 2011 haben wir uns viel vorgenommen. Wir wollen den Konzernumsatz auf mindestens 290 Mio. EUR steigern und ein Konzernergebnis vor Steuern in Höhe von 15 Mio. EUR und mehr erwirtschaften. Und wir wollen unseren Umsatzanteil in der Region Asien, Amerika und Australien weiter ausbauen.

Sehr geehrte Damen und Herren,
SIMONA ist auf einem guten Weg. Wir haben Produkte und Anwendungen in zukunftsträchtigen Bereichen. Wir haben qualifizierte und engagierte Mitarbeiter. Wir haben eine solide Finanz- und Vermögenslage. Unser Ziel ist die langfristige Existenzsicherung unseres Unternehmens. Dazu ist es notwendig, mit Bedacht zu agieren. So wie wir das in der Vergangenheit gezeigt haben:
  • vom Leder zum Kunststoff
  • von der Binnenschifffahrt zu den Weltmeeren.
Unser Ehrgeiz ist groß, dass das Geschäftsjahr 2011 unsere Zuversicht bestätigt.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

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